Mini Bässe - G&B
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M i n i - B ä s s e
FORMENTERA GUITARS
Es gibt wohl keine angenehmere Art , die nötigen Fertigkeiten zum Bau einer E-Gitarre oder
eines Basses zu erwerben, als bei einem Urlaub unter der warmen Mittelmeersonne auf
Formentera. Denn auf der Baleareninsel bietet Formentera Guitars seit nunmehr neun Jahren
sommerliche Kurse für angehende Instrumentenbauer.
Völlige Anfänger können dort ebenso wie Fortgeschrittene in einer gut eingerichteten
Spezialwerkstatt zu Säge und Schleifpapier greifen und sich unter kompetenter Anleitung
ein Instrument nach ihren Vorstellungen bauen. Die zweieinhalbwöchigen Kurse
finden in acht Durchgängen von Mai bis Oktober statt, und die Veranstalter bieten dabei
nicht nur ihr Fachwissen und die entsprechenden Werkmöglichkeiten an, sondern
helfen ggf. auch bei der Organisation des Urlaubsanteils. Bei den vielfältigen, individuellen
Wünschen der Kursteilnehmer ist es nicht weiter verwunderlich, daß sich
Formentera Guitars im Laufe der Zeit auch zum Spezialisten für exotische Instrumentenausführungen
entwickelt hat. Und einiges davon ist natürlich nicht nur zum Selberbauen
interessant; wer sich für den Urlaub doch etwas schöneres als Fräs- und Bundierarbeiten
vorstellt, kann hierzulande auch fertige „Lehrerinstrumente“ erwerben.
So erscheinen die beiden Mini-Bässe, die wir zum Test bekommen haben, auf den ersten
Blick zumindest witzig, beispielsweise als Reiseinstrument für elektrifizerte
Straßenmusiker. Nach dem ersten Anspielen wird jedoch schnell klar, daß es sich hier
nicht um einen Witz handeln kann.
Ü b e r s i c h t
Fabrikat: Formentera Guitars
Modell: Mini Bass
Gerätetyp: viersaitiger E-Bass mit
Massivkorpus
Herkunftsland: Formentera (Spanien)
Mensur: 686 mm, Shortscale
Hals: eingeleimt; einstreifig Khaya bzw. zweistreifig Swietenia
mit Palisander- bzw. Ebenholz-Griffbrett, 22 Lagen bzw. Bünde
Halsbreite: Sattel: ca. 42;
XII. Bund: ca. 50 (mm)
Saitenabstände Steg: ca. 16 mm
Korpus: einteilig Swietenia mit
Riegel/Halbmaserahorn-Deckenbelägen
Oberflächen: Öl & Wachs
Tonabnehmer: passiv; 1°— Humbucker
mit Holzkappe, 1°— Piezo
Elektronik: passiv
Bedienfeld: Volumen, kombinierter
PU-Überblendregler mit Höhenblende
Mechaniken: vergoldete Gotoh-Tuner,
Formentera Guitars Einzelstege,
Schaller Sicherheits-Gurthalter
Gewicht: ca. 1,8/2,1 (kg)
Preis: ca. DM 2500,–
k o n s t r u k t i o n
Unsere beiden Testbässe, einmal mit, einmal ohne Bundstäbchen, sind bis auf einige
klanggbestimmende Details in vielerlei Hinsicht ähnlich gebaut. Bei dem Bundbass
handelt es sich übrigens um ein „Schülerinstrument“, welches freundlicherweise von
seinem Erbauer Nico Huber zur Verfügung gestellt wurde, während der Fretless ein
von Lehrerhand gebauter Prototyp ist. Für die Qualität der Selbstbaukurse spricht hier,
daß das „Schülerinstrument“ keinesfalls hinter dem „Lehrerbass“ zurücksteht.
Als Basismaterial kommt bei diesen „Mini-Shortscales“ mahagoniartiges Swietenia-
Holz zum Einsatz, wobei die Bodies jeweils aus einem Stück bestehen. Die Hälse sind
eingeleimt und ragen bis zum Tonabnehmer in die Bodies hinein; der Bundbass besitzt eine härtere,
zweistreifige Halskonstruktion, während der Fretless zugunsten
eines warmen Tons mit einem einstreifigen Hals aus dem etwas weicheren Khayaholz
ausgestattet wurde. Ebenfalls aus Klanggründen besteht das bundierte Griffbrett
aus Palisander, während der Fretless mit dem härteren Ebenholz bestückt wurde.
Die gitarrenhafte Mensurlänge beträgt 686 mm, und es wird die Tenor-Stimmung A d
g c1 empfohlen, aber auch mit normaler Baß-Stimmung funktionieren die Miniteile
noch gut. Zum Justieren der Halskrümmung sind die Hälschen mit Spannstäben
ausgerüstet, die sogar Einstellungen in beide Richtungen zulassen. Nach Herausnehmen
eines kleinen Phenoldeckelchens, welches ins Griffbrett eingepaßt wurde, gelangt
man an die Spannstabmutter. Die Korpusdecken sind jeweils mit dicken,
wunderschönen Riegelahornbelägen versehen, was freilich nicht nur der Optik dient,
sondern auch einen definierteren, obertonreicheren Klang verspricht. Die Verarbeitungsqualität
ist vom Feinsten, und an der leicht abweichenden Formgebung erkennt
man deutlich die liebevolle Handarbeit.
Mechaniken:
Die einzeln ins Holz eingesetzten Saitenreiter sind eine elegante Lösung,
die sich Formentera Guitars selbst ausgedacht hat. In Oktavreinheit und Höhe
justierbar, liegen die Saiten hier auf Messing-Feingewindeschrauben auf.
Beim Bundbass werden die Saiten durchs Korpusholz eingefädelt, während der Fretless
einen aufgeschraubten Messing-Saitenhalter besitzt. Auch noch präzise Stimmechaniken
selbst anzufertigen, wäre wohl zuviel (teurer) Aufwand, und so sind die Minibässe
mit gekapselten Gotoh-Tunern bestückt. Damit einem die kleinen Instrumente bei
agiler Spielweise nicht vom Gurt hüpfen, sind Schaller-Sicherheitsgurthalter montiert.
Tonabnehmer/Elektronik:
Wo schondie übrige Konstruktion mit viel Detailliebe ausgeführt wurde, sollten hier natürlich
nicht einfach gewöhnliche Tonabnehmer „von der Stange“ eingebaut werden. Unter
den Holzkappen verbergen sich selbstgewickelte Humbucker mit Stabmagneten.
Der eigentliche Clou der rein passiven Elektronik liegt aber bei den zusätzlichen Piezo-
Pickups, die jeweils in die Hornspitzen der Bodies eingebaut sind. Durch intelligente
Schaltung der Tonregler können diese Körperschalltonabnehmer dem Humbuckersound
zugemischt werden. In der Mittelstellung arbeitet der Humbucker pur, der
Tonregler arbeitet bei Linksdrehung wie eine traditionelle Höhenblende. Durch
Rechtsdrehung wird der Piezo dem Humbuckersignal zugemischt.
p r a x i s
Handhabung:
Aufgrund der kleinen Bodies können die Minibässe nicht so stabil
und ausbalanciert am Gurt hängen wie erwachsene Bässe, was sich aber wiederum
durch das geringe Gewicht leicht beherrschen läßt. Da die Hälse annähernd normal
geformt sind, kommt man auf Anhieb bestens mit den Minis klar, auch beim Fretless
ist das Griffbrett breit genug für sauberes Intonieren, welches übrigens auch
bei schnellen Läufen unerwartet leicht gelingt.
Klangverhalten:
Nachdem wir uns bereits an der augefuchsten, hochwertigen
Konstruktion ergötzen konnten, kommen die guten Klangergebnisse nicht ganz unerwartet,
und es wird schnell klar, daß man es hier nicht mit Spielzeuginstrumenten zu
tun hat. Vor allem der Fretless beeindruckt mit seinem ausgewogenen, schwelgenden
Ton, der dank Piezo-Zumischung sogar eine authentisch akustische Note aufweist.
Hier wurde der Piezo-Sound etwas mittiger abgestimmt als beim Bundbass, wo der
Körperschall-Pickup mehr crisp arbeitet. Ohne Frage ist die höhere Tenor-Stimmung
für diese Kurzhals-Bässe die angemessenere, die bezüglich der Feinheiten und der
Tonkonsistenz verblüffend ausgewogene Klangergebnisse beschert. Aber auch in
Normalstimmung arbeiten die Minis noch durchaus überzeugend und dürfen als voll
bandtauglich (!) angesehen werden. Noch weniger als dem bereits bemerkenswert
ausgewogenen Bundbass hört man dem tollen Fretless an, daß er nur eine kurze Gitarrenmensur besitzt.
Es liegt nahe, diese leicht bespielbaren Minibässe als Soloinstrumente für flinke Griffbrett-
Flitzereien einzusetzen, was aber nicht bedeutet, daß diese hochwertigen Instrumente
keine tragfähigen Qualitäten aufzuweisen hätten. Einzig die (klanglich
überzeugende) Plazierung der Piezos hat auch ihre Nachteile, wenn das Klackern des
oberen Gurthalters allzu deutlich mit übertragen wird. Womöglich wäre der Körperschall-
Tonabnehmer im unteren Korpushorn besser aufgehoben.
r e s ü m e e
Man sollte diese zunächst lustig aussehenden Minibässe getrost ernst nehmen, denn
durch die günstige Holzauswahl und die liebevoll-hochwertige Konstruktion liefern sie
ein erstaunliches Klangvolumen. Leichteste Bespielbarkeit steht hier sowieso außer Frage,
was die edlen Kleinteile auch für verwegene Griffbrett-Flitzereien qualifiziert.
Durch die ausgefuchste Piezo-Zumischung haben die Formentera-Zwerge sogar Akustik-
Sounds auf Lager, die bislang wohl kaum ein erwachsener E-Bass zu liefern vermag.
P l u s
• Klangverhalten/Piezo-Sounds
• Verarbeitung/Kostruktion
• Materialqualität/Ausstattung
Bespielbarkeit
M i n u s
• Übertragung von Gurthalter- Klackern durch Piezo-PU