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Formentera Dream Guitar! - Noch mehr Gewinner

Written by Heinz Rebelius
Presse - Storys
There are no translations available.

 

Ralf Martens, der ewige Zweite, ist von Beruf Illustrator, arbeitet hauptsächlich mit Filmund
Fernsehfirmen zusammen und gestaltet auch noch CD-Booklets für eine kleine Plattenfirma.
Nebenher schreibt er erfolgreich Jugendbücher und ist mit diesen Tätigkeiten
durchaus so beschäftigt, dass ihm zum Gitarrespielen nicht allzu viel Zeit bleibt. In
einer Band spielt er deswegen auch nicht, nur ab und zu wird seine alte Ibanez AS-200,
die er Anfang der 80er als seine erste Gitarre gekauft hatte und die er nach eigenen Aussagen
auch nie mehr hergeben wird, aus dem Kofferdasein befreit, um mit einem
Freund locker zu jammen. Ralfs Gitarrenmodell Wave, mit dem er den
zweiten Platz belegt, sieht auf den ersten Blick Fender-typisch aus und erinnert in
Styling und Ausstattung, ähnlich wie das Siegermodell Off Shark, an die 60er Jahre,
kann aber auch einen gelungenen Twist in eine mehr moderne, zeitgemäße Richtung
nicht verleugnen, insbesondere, wenn man die Konstruktion genauer betrachtet. Der
Hals ist nicht etwa angeschraubt, sondern mit dem Korpus verleimt. Auch die Materialauswahl
erinnert hier an Gibson: Mahagoni- Korpus mit Ahorndecke, wobei die
Mensur allerdings PRS-Maße (635 mm) haben soll.
Zwar hatte keiner der elf Juroren Ralf Martens Entwurf auf den ersten Platz
gesetzt, aber dafür war er gleich viermal Zweiter und dreimal Dritter – ein Zeichen
dafür, dass er tendenziell richtig gelegen hat und sein Modell durchaus die Chance hätte,
eine breite Interessenten-Schar zu erreichen. Zweimal den zweiten Platz in der Endausscheidung
zu belegen, ist sicherlich weitaus weniger frustrierend als irgendwo weit hinten
abgeschlagen im Teilnehmerfeld zu enden – wir finden es großartig! Und Ralf
Martens hat die beiden einzig richtigen Schlüsse aus dieser Situation gezogen: Zum
einen wird er ab sofort selbst die Feile schwingen und sein Sieger-Modell zum
Leben erwecken, und natürlich wird er beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Wie
seine anderen Entwürfe zeigen, ist eine Menge Potenzial vorhanden. Was man u. a.
auch auf seiner Website www.ralf-illustratormartens. de überprüfen kann.

Lothar Berger ist den umgekehrten Weg gegangen, denn die Gitarre namens Marlin,
mit deren Entwurf er sich beim Wettbewerb beworben hatte, lebte bereits – in der Version
Marlin I! Lothar hatte sie in einem Kurs auf Formentera bei Ekki Hoffmann selbst
gebaut und damals noch mit zwei Humbuckern bestückt. Der Entwurf der Marlin II
zeigt dagegen zwei P90-Soapbar-Pickups und eine, was die Farben angeht, spiegelbildliche
Gestaltung: dunkle Decke auf hellem Korpus. Das in sich runde, fertige und
irgendwie zeitlose Design kam bei Teilen der Jury sehr gut an, bei anderen dagegen überhaupt
nicht. So setzten z. B. Paul Reed Smith und Dieter Roesberg diese Gitarre auf den
ersten Platz, als zweit- und drittbeste wurde sie dagegen von keinem anderen der Juroren
nominiert. Diese Gitarre polarisierte also wie keine andere der ganz vorne platzierten
Teilnehmer die Meinungen der Jury. Die Konstruktion und Ausstattung von
Lothar Bergers Modell ist durchaus individuell und prinzipiell keinem der traditionellen
Vorbilder zuzuordnen. Zwar ist der Hals mit dem Korpus verleimt, und Lothar schlägt
auch eine Gibson-Mensur vor, gibt aber als Korpusholz Sumpfesche an, die zudem mit
einer sich über dem Korpus erhebenden Wenge-Decke beleimt sein soll. Mit einem
Eyb-Megaswitch sollen Parallel-, Seriellund Out-of-Phase-Schaltungen der beiden
Pickups erreicht werden. Lothar Berger, der die Erfahrungen in Formentera
nicht missen will („Es war traumhaft und hat irrsinnig Spaß gemacht, in dieser
Umgebung eine Gitarre zu bauen!“), ist im richtigen Leben Elektroniktechniker bei
einem großen Stromkonzern und spielt nebenbei Gitarre in der „Young People Big
Band“, „obwohl der Name auf die meisten von uns heute nicht mehr zutrifft.“ Meistens
spielt er dort seine selbst gebaute Marlin I, sein übriger Instrumentenpark stammt ausnahmslos
von Ibanez: eine 79er AR-500, eine George Benson GB-12 und eine seltene
Artfield mit 30 Bünden. Verstärkt wird trotz BigBand-Umgebung mit einem Marshall
601 Combo aus der JCM-2000-Serie. Sowohl Lothar Berger als auch Ralf Martens
waren sich darin einig, dass Martin Off mit seiner Shark zu Recht diesen Wettbewerb
gewonnen hat. Doch auch ihre eigenen Modelle Wave und Marlin II zeigen, dass im
Bereich Gitarren-Design durchaus noch Luft nach oben vorhanden ist und längst nicht
alles, was machbar ist und was gut vom Markt angenommen werden könnte, bereits
von existierenden Herstellern in Angriff genommen wurde. Uns allen hat dieser
Wettbewerb wieder einmal viel Spaß gemacht, und wir sind ziemlich sicher, dass
dieser nicht der letzte seiner Art in G&B gewesen ist. ■

 

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