Hallo Taxi - Ich bin der Steinmetz vom Friedhof
Escrito por Ernst Jaeger und Ekkehard Hoffmann
| Presse - Storys |
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Xumen Joan verdient in den Monaten Mai bis Oktober durchschnittlich rund 3000 Euro, im Spitzenmonat August können es bis 9000 Euro sein. In den Wintermonaten, wenn von den 24 lizenzierten Taxis nur 4 bis 10 (Weihnachten, Silvester) im Einsatz sind, verdient er maximal 1000 Euro. Der grösste Ort auf der Insel ist San Francisco mit 2800 Einwohnern.
Wie viele Stunden pro Woche fahren Sie Taxi?
10 Stunden am Tag, etwa 60 Stunden die Woche. Die meisten Gäste fahre ich zum Hafen oder vom Hafen weg. Das Schiff ist die einzige Verbindung zum Festland und zu den anderen Balearen-Inseln. Formentera hat keinen Flughafen und schlechte öffentliche Busverbindungen.
Wann haben Sie zum letzten Mal Ferien gemacht?
Vor zwei Jahren in Griechenland. Ich habe aber auch schon Vietnam, Kuba und andere Länder bereist.
Wie kam es, dass Sie Taxifahrer wurden?
Mein Vater war auch Taxifahrer, und als er aufhörte, konnte ich seine Lizenz übernehmen. Für mich war das sehr gut, weil die Lizenzen auf Formentera limitiert sind und für sehr viel Geld weiterverkauft werden können. Für die letzte wurden 80 000 Euro bezahlt! Es gibt keine Lizenzen mehr, das Kontingent ist erfüllt.
Wie viele Taxis gibt es denn im Ganzen?
24. Dazu gibt es eine Geschichte: Anfang der 70er Jahre rollte der Fahrer des Taxis Nr. 13 rückwärts von der Mole ins Hafenbecken. Darauf verlangte er von der Inselverwaltung eine andere Nummer und bekam die 24. So gab es über 30 Jahre kein Taxi mehr mit der Nummer 13, bis kürzlich ein Kollege von mir, Jesus, für 60 000 Euro eine staatliche Ausnahmelizenz für das erste Behindertentaxi auf der Insel erhielt. Er konnte zwischen der 13 und der 25 wählen und nahm die 13.
Wären Sie nicht Taxifahrer, was wären Sie dann?
Ich bin auch noch der Steinmetz für den örtlichen Friedhof. Ausserdem spiele ich Gitarre und singe in meiner Band Aires Formenterencs. Im Winter, wenn das Taxigeschäft ruht, mache ich täglich zwei Stunden Musik und komponiere auch.
Welches war Ihre längste Fahrt?
Fünf Stunden mit Touristen, denen ich die Attraktionen der Insel zeigen durfte – inklusive Bar- und Restaurantbesuche.
Wie verhalten Sie sich im Stau?
Es gibt hier praktisch keine Staus. Ausser auf der Zufahrt zur Nordspitze der Insel, einer Naturstrasse, die im Hochsommer wegen all der parkierten Fahrzeuge nur einspurig befahren werden kann. Diesen Weg fahren wir dann nur in Notfällen.
Gab es Fahrgäste, die Sie nie vergessen werden?
Ja, auf einen bin ich sehr stolz: Pedro Guerra, Cantautore aus Teneriffa – ein in Spanien sehr berühmter Barde.
Wie hoch war Ihr höchstes Trinkgeld?
10 000 Peseten, was heute etwa 60 Euro entspricht.
Was blieb in Ihrem Taxi schon liegen?
Fotoapparate, Kameras, Geldbeutel und ganze Gepäckstücke. Dann rufen uns die Touristen aus Ibiza an, und wir geben die vergessenen Gegenstände der nächsten Fähre mit.
Sprechen Sie mit den Fahrgästen?
Ja, sehr gern. Aber im Hochsommer sind die Strassen voller Roller, da muss ich mich sehr auf den Verkehr konzentrieren.
Wie hoch war Ihre teuerste Busse?
10 000 Peseten. Ich hatte mich nicht angegurtet.
Welches ist der schönste Ort auf dieser Insel? Was kostet die Fahrt dorthin?
Playa de Migjorn – ein fünf Kilometer langer Sandstrand im Süden der Insel. Von dort sind es übers Meer 200 Kilometer bis Afrika. Die Fahrt kostet im Schnitt 10 Euro, je nachdem, wo ich die Leute abhole und an welchen Abschnitt des Strandes ich sie bringen muss.
Was macht in Formentera einen guten Taxifahrer aus?
Ehrlichkeit, Geduld, Ruhe und Zuverlässigkeit. Auf Formentera muss man möglichst viele Häuser beim Namen kennen, da es vielerorts keine Hausnummern gibt.
Haben Sie Angst vor Überfällen?
Hier gab es noch nie einen Überfall auf ein Taxi.
Wie regeln Sie Ihre Altersvorsorge?
In Spanien zahlt man Sozialabgaben nach Höhe des Einkommens und bekommt später eine entsprechende Rente. Meine wird um die 600 Euro betragen.
Was würden Sie tun, wenn Sie viel Geld hätten?
Viel mehr reisen. Nicht mehr Taxi fahren. Mir ein schönes Leben machen.
Womit verwöhnen Sie sich?
Ich bin so oft wie möglich am Strand, was für Formenterenser unüblich ist.
Taxameter
Gibt es nicht. Der Fahrpreis richtet sich nach einer Preisliste, die in Zonen aufgeteilt ist. Bei Fahrten über Naturstrassen (Caminos) wird ein Zuschlag gefordert. Zuschläge gibt es an Sonn- und Feiertagen sowie für übergrosses Gepäck.
Spanien
Einwohner: 40 340 000
BIP pro Kopf: CHF 27 500
Benzin: 1 l CHF 1.55
Milch: 1 l CHF 2.40
Coca-Cola: 1 l CHF 2.15
Brot: 1 kg CHF 2.15
Reis: 1 kg CHF 1.35
Kinobillett: CHF 6.00 bis 12.00
Zigaretten: CHF 3.75
Feigen: 1 kg CHF 7.80