Die Gitarre & das Meer

VON SIMONE FLÖRKE

Ekkehard Hoffmann (50) gibt Gitarrenbau-Kurse auf Formentera.
Leben, wo andere Urlaub machen. Für einige Ostwestfalen und Lipper ist dieser Spruch Wirklichkeit geworden.
Ob sie nun in Australien nach Opalen suchen oder eine Kneipe auf Mallorca haben – jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte. Der letzte Teil unserer Serie berichtet über das Leben von Ekkehard Hoffmann, gebürtiger Bielefelder, der auf Formentera Gitarrenbaukurse gibt.

Bielefeld/Formentera.

Er lebt in einem ausgebauten Ziegenstall ganz am Ende der Insel auf einem Berg. „Das ist der schönste Ziegenstall der Insel, einfach wunderschön. Von außen nur Stall, von innen Stall gemischt mit Ikea, das Dach ein wenig undicht.“ Ekkehard Hoffmann erzählt mit Begeisterung von seinem Zuhause. Der in Bielefeld aufgewachsene 50-Jährige fühlt sich wohl auf der kleinen Balearen-Insel Formentera. Dorthin zog es ihn Anfang der 90er Jahre. Ausstieg und Neuanfang.

Wenn da nicht die Sache mit dem stetig anwachsenden Tourismus wäre – und damit verbunden die steigenden Mietkosten. In den nächsten Monaten muss er sich eine neue Bleibe suchen, der Vermieter hat die Touristen als zahlungskräftige Mieter entdeckt. Hoffmann bedauert den Wandel: „Am Insel-Flair der 70er Jahre wird gedreht.“

Ein Haus auf der kleinen Insel kaufen oder gar bauen – unerschwinglich. „Die Immobilienpreise sind mittlerweile auf dem Stand von München-Innenstadt“, scherzt der Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik, Bassist und Gitarrenbauer. Die Musikinstrumente haben ihn nach Formentera geführt. Ekkehard Hoffmann gibt auf der Insel Kurse für Elektrogitarrenbau: „Formentera Guitars“ steht am Eingang zu seiner Werkstatt.

Dabei kam der Bielefelder 1989 selbst als Kurs-Schüler dorthin. In Jugendherbergen hatte er zuvor Drehleierkurse gegeben, war vom Gitarrenbau auf Formentera begeistert. Und es ergab sich, dass er dort gleich einsteigen konnte, als sich das Team in Spanien zerstritt. Zwei, drei Wochen habe er überlegt, erinnert sich Hoffmann, der in Darmstadt studierte. „Dann habe ich Ja gesagt.“ Das war 1991.“ Der Kompagnon ging zurück nach Hannover, Hoffmann übernahm die Werkstatt und das Projekt „Formentera Guitars“ ganz allein. Der 50-Jährige hat Erfolg damit: „Seit drei Jahren geht es ständig bergauf. Seit Juni bin ich komplett ausgebucht, habe sogar eine Warteliste anlegen müssen.“

Maximal sechs Leute können in die jeweils dreiwöchigen Ferien-Kurse einsteigen, sich unter Anleitung des erfahrenen Lehrers ihre ganz persönliche und sehr individuelle Gitarre bauen. Kein Bausatz, alles von Hand, gefertigt in der Schreinerei.

Eine echte Wertanlage und den Gitarren vom Fließband weit überlegen, wie Hoffmann betont. Seine Kunden: Aus Deutschland viele Urlauber zwischen 40 und 50 Jahren, die Ruhe suchen, aber trotzdem die Hände nicht ruhig halten können. Aus Spanien mehr junge Leute: „Die Rock-Bewegung ist hier vom Alter her viel jünger. Eine Attitüde, die in Deutschland eher in den 70er Jahren zu finden war.“ Manche kommen immer wieder „und bauen eine schöne Gitarre nach der anderen. Der Spitzenreiter liegt bei elf Stück.“

Das zweigeteilte Leben des Ekkehard Hoffmann: Ein Sommer mit Arbeit ohne Ende, ein Winter mit Zeit, um Freunde zu besuchen, Instrumente für Musiker auf Ibiza oder Mallorca zu reparieren, oder auch mal das Büro und die Werkstatt aufzuräumen. Er kann sich nicht vorstellen, in Deutschland zu leben. Auch wenn er in Darmstadt noch ein WG-Zimmer und Freunde hat. „Ich bin auf Formentera in eine andere Welt eingetaucht – alles andere wäre ein Rückschritt.“ Mitte Oktober aber muss er „ruckzuck in den Flieger nach Deutschland“. Zum 80. Geburtstag seiner Mutter in Bielefeld.

Cooler Sound am Meer:
Ekkehard Hoffmann (rechts) und Teilnehmer der Gitarrenbau-Kurse am Strand von Formentera.